Die Geschichte der Apollo-Werke AG

Postkarte Apolda

Postkarte Apolda

Montagehalle
MAF Werk Markranstädt

Albert Ruppe stammte aus Kösnitz und war Tischler von Beruf. Um 1850 richtete er sich in Dornburg eine Ziegelei mit einer kleinen Werkstatt. Hier werkelte er und bastelte an seinen landwirtschaftlichen Ideen. Bald darauf entwickelte sich daraus eine kleine Firma zur Herstellung landwirtschaftlicher Maschinen. Das Geschäft mit den Getreidereinigungs- und Futterschneidemaschinen lief gut und so wollte er sich vergrößern.

Das gerade industriell erwachende Apolda, hatte es ihm angetan. So zog er mit seiner Familie um und baute in Apolda im Jahr 1866 eine Maschinenfabrik und Eisengießerei auf, irgendwo in Apolda, entgegengesetzt vom Bahnhofsviertel, wie Kronfeld in seiner „Geschichte und Beschreibung der Fabrik- und Handelsstadt Apolda“ schreibt. Hier beschäftigte er 17 Arbeiter und stellte weiterhin speziell Landmaschinen her.

 

1878 betrieb Albert Ruppe zudem noch ein Dampfsägewerk und bot auch schon eine Kolbenmaschine an, die er mit folgenden Worten empfahl:

„Auch empfehle ich für Landwirthe meine neuen gusseisernen Kolben-Jauchenpumpen, welche sich durch leichten Gang, bequeme Handhabung und große Dauerhaftigkeit auszeichnen.“

 

1882 trat Sohn Oskar Berthold ins Familiengeschäft ein und die Firma wurde in „A. Ruppe & Sohn“ umgewandelt. Im gleichen Jahr übergibt der inzwischen 53 jährige Albert, die Geschäftsführung an seinem Sohn. Das Sortiment wird erweitert auf Kolbenmotoren (Gas- und Petroleummotoren) für den Antrieb landwirtschaftlicher Maschinen. 

 

Bereits als 15 jähriger konstruierte Berthold einen Dampfwagen, der allerdings keine Betriebserlaubnis bekam. Er war begeisterter Motorsportler und begründete im Jahr 1899 mit anderen Begeisterten den „Mitteldeutschen Automobil Club“ in Eisenach. 

 

Hugo, ein Enkel des Firmengründers, der 1879 geboren wurde, lernte das Handwerk natürlich auch von der Pike auf. Er absolvierte eine Ingenieurausbildung und studierte Maschinenbau.

Hugo war ein kleines Genie auf technischem Gebiet, nur leider fehlte ihm die geschäftliche Begabung. Bereits 23 jährig, er war gerade ins Familiengeschäft eingestiegen, konstruierte er ein Motorrad, dass er „Apoldania“ nannte. Dieses Fahrzeug besaß einen 2 –2,25 PS Motor, der seine Kraft ohne Schaltgetriebe mit Hilfe eines Riementriebes auf das Hinterrad übertrug. Es konnte bis zu 60 km/h „rasen“. Es verkaufte sich gut und auch sportlich konnte es einige Preise gewinnen.

Doch der Ehrgeiz der Familie Ruppe war es, ein Auto zu entwickeln und so begann im Jahr 1904 ein neues Kapitel der Firma A. Ruppe & Sohn. Der von Hugo Ruppe konstruierte Kleinwagen "Piccolo" ging in Fertigung. Es sollte eine Art „Volksauto“ werden, nicht unbedingt für Jedermann, aber für Ärzte und Geschäftsleute. Der Kutschenähnliche Aufbau, sollte durch verschiedenartige Verdecks gegen die Witterung geschützt werden. Eine Sitzbank war als Platz für Fahrer und Beifahrer gedacht und was sich noch so reinquetschen ließ (Kind und Hund). Die Technik vom Motorradbau zu nutzen, scheiterte allerdings kläglich. Doch Aufgeben galt nicht, es musste eben weiter so entwickelte und forschte man stetig weiter.

 

In Apolda ging die Produktion weiter. Da die Kosten des Piccolo sich auf ca. 2.000 – 2.500 RM beliefen, konnten nur wenige Menschen sich diesen auch leisten. Der Verdienst in den Jahren war ja für die Arbeiter und Angestellte auch nicht unbedingt üppig. Man(n) verdiente so ca. zwischen 10,- und 32,- Mark die Woche.

Inzwischen sah es in der Apoldaer Firma auch nicht mehr so rosig aus - trotz Entwicklung und Produktionsvorbereitung der neuen Modelle. Sie verursachten eben auch hohe Kosten. 

Der Weggang Hugo Ruppe´s hatte zusätzliche Geldnot verursacht. Die Firma benötigte dringend neues Kapital. Zwei Banken erklärten sich zur Hilfe bereit und aus „A. Ruppe & Sohn“ wurde 1908 eine Aktiengesellschaft mit Namen Apollo AG.


Um mehr zu verkaufen bastelte man an einem kostengünstigeren Modell, den „Mobbel“. Trotzdem fielen die Verkaufszahlen in den Keller. Der „Mobbel“ war leicht und war mit einem Einzylinder Motor ausgestattet und kostete ca. 1.500 Mark in der Grundausstattung. 

 

Bei Autorennen im In- und Ausland zeigte sich der Apollo sehr oft als Sieger. Berthold Oskar Ruppe zog sich 54 jährig, aufs Altenteil zurück und übergab die Leitung seiner Firma seinen Söhnen Arthur und Paul. Er zog nach Weimar und war nur noch im Aufsichtsrat tätig. Die Zeit hatte sich gewandelt, es wurden größere, leistungsstärkere Modelle gesucht, die Konkurrenz war da groß und so richtig mithalten konnte die Firma nicht mehr.

 

1910 konnte die Firma den technisch hochbegabten, sportlich interessierten Ingenieur und Rennfahrer Karl Slevogt als Konstrukteur und technischen Direktor gewinnen. Slevogt war ein wahrer Segen für die Firma, die sich im Jahr 1911 in "Apollo-Werke AG, Apolda" umbenannte. Er war nicht nur ein ausgezeichneter Ingenieur, sondern auch als Renn- und Sportwagenfahrer anerkannt und führte die von ihm geschaffenen Fahrzeuge immer wieder zu Siegen.

Ihm gelang es die Leistungen der Modelle zu steigern. In o.g. Jahr stellt die Firma mit einem 1,5 Liter Tourenwagen einen Geschwindigkeits-Weltrekord auf der Landstraße von 108 Km/h auf.

Slevogt blieb 10 Jahre dem Unternehmen treu und in Apolda. Seine erste Wohnung bezog er in der Reichstraße 7 (heute Dr. Külz Straße), später zog er mit seiner Frau in die Bahnhofstraße 53. Im Jahr 1913 wurde er vom technischen Direktor in die Direktorenetage berufen. 1921 wurde für ihn in der Böhme Straße 20 (heute Moskauer Straße) eine Villa gebaut, die er im Jahr 1923 beziehen konnte.

 

Der wirtschaftliche Erfolg blieb aber weiterhin aus. Die Firma zog sich aus dem erfolgreichen aber teuren Rennsport zurück und gab die unrentabel geworden Landmaschinenproduktion ganz auf. Fast alle Teile wurden in der Firma selbst produziert, so war man nicht auf Lieferungen anderer Firmen angewiesen. Dies ermöglichte es, in kurzer Zeit neue Modelle zu entwickeln und auch auf Kundenwünsche einzugehen.

Die Apollo-Werke entwickelten sich zum größten metallverarbeitenden Unternehmen in Apolda.

1915 entwickelte Slevogt eine Fahrwalze, die wurde zwischen die Hinterräder der Fahrzeuge montiert und sollte so auch auf morastigen Grund und Boden die Fahrzeuge einsatzbereit halten. 

Slevogt entwickelte weiterhin einen erfolgreichen kleinen Sportwagen, der auch internationale Siege bei Wettrennen einbrachte. Sein offener Viersitzer mit einem 1,77 Liter-Vierzylinder-Motor mit 16 PS Leistung und einem Dreiganggetriebe, sorgte auf der Automobilmesse für Furore. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 70 km / h, der Preis bei 4800 Mark. Mit mehr als 1000 Stück wurde es 1912–25 der meistgebaute Wagen von Apollo. Doch so sehr man auch änderte, der große finanzielle Erfolg blieb aus. 

 

Nun warf bereits der 1. Weltkrieg seine Schatten auf das Unternehmen, der Absatz privater Automobile brach ab und an Wettrennen war nun gar nicht mehr zu denken. Während des Krieges baute man Lieferwagen, kleine LKW, Spezialfahrzeuge, Teile für Panzer und Motorboote. So konnte die Firma überleben.

Aber es gab auch Zeiten, in denen die Apollo-Werke gut verdienten, sogar verdammt gut. Auch im Krieg konnte man 8% Dividende zahlen. Von 1910 bis 1913 hatte Slevogt den Umsatz versechsfacht. 1918 wurde die Apollo-Werke AG von einem Konsortium aus dem Rheinland aufgekauft (feindliche Übernahme); der Aufsichtsrat rausgeschmissen und durch deren Leute ersetzt. Es wurde dann dauernd 20% und mehr Dividende aus der Firma rausgesaugt. Schnell war kein Geld mehr für Werbung, Neuentwicklung und Neuanschaffungen da. Federführend war der Boss der Elite-Werke. Erst 1922 erschien wieder Apollo-Werbung.

 

Nach dem Krieg fehlte der Firma das Geld um weiter zu forschen, also besann man sich auf alte Konstruktionspläne. Das Fahrgestell erhielt vorn eine „Schwingachse“, d.h. eine Einzelradaufhängung mit Querblattfeder und Dämpfern und war damit aller Konkurrenz um Jahrzehnte voraus.

 

Mit dem Apollo wurden nun auch wieder Rennen gefahren, doch für Werbemittel fehlte das Geld. Dafür hätte man aber Geld abzweigen müssen, ein großer Fehler der Apollo Werke. Die Firma kam einfach nicht in die Gänge, Geld war überall knapp in der Nachkriegszeit.

 

1921 kaufte die Apollo-Werke AG die Markranstädter Firma MAF (Markanstädter Automobilfabrik; eine Gründung Hugo Ruppe´s). Das MAF-Werk kam aber nie aus den roten Zahlen heraus. Die Forschungen und Weiterentwicklungen von Karl Slevogt und seine Rennbegeisterung kosteten viel Geld und führten zu Zerwürfnissen mit der Geschäftsleitung. Bereits 1923 musste die Fabrik schon wieder stillgelegt werden.

 

1922 nahm Slevogt Kontakt zu Paul Jaray auf und erteilte 1923 den Auftrag zur Entwicklung einer Stromlinien-Karosserie zur Serienfertigung für den Apollo 4/20PS, den man dann auch von 1924 bis 1928 serienmäßig auch mit Jaray-Karosserie für 8500 Mark erwerben konnte. Dass dieser Ausführung kein sonderlicher geschäftlicher Erfolg beschieden war, lag nicht nur an dem recht gewöhnungsbedürftigen „Design“. Unsere Straßen ließen das schnelle (bis 130km/h) Fahren gar nicht zu. Was nutzte es da, nur bei Rennen zeigen zu können, wie schnell sein blaues Apollo-Rennauto fuhr.

 

Karl Slevogt konstruierte 1921 ein großen 12/45 PS Wagen mit Achtzylinder-V-Motor, das Chassis wies eine Vierrad-Bremse auf – leider nur ein Prototyp. Das wäre der erste deutsche Serien-8-Zylinder-Motor gewesen.

 

Ein Motorrad wurde serienreif entwickelt und der Aufsichtsrat lehnte ab. Aufsehen erregte Slevogt 1924 auf der Berliner Avus, als er sich erstmals an einem Rennen mit einem von ihm nach der Lizenz von Jaray gebauten Stromlinienwagen beteiligte.

 

Natürlich baute Apollo auch weiter Gebrauchswagen, den kleinen Apollo 4/14PS und den großen Typ „R“ 10/40PS, aber mangels Werbung stagnierte der Absatz. Zusätzlich hatte man sich bei Apollo mit der Übernahme von MAF  in 1921 finanziell verhoben. 

Die Verkaufsstockungen mangels Werbung zwangen Slevogt immer mehr Einschränkungen auf. Kein Wunder, dass er sich abwerben ließ und im November 1924 zu Selve nach Hameln ging.

 

Die Fertigung bei Apollo wurde 1926 eingestellt. 1928 wurde der allerletzte Apollo gebaut. Nun wurde hier nur noch Reparaturen durchgeführt und 1932 wurde das Konkursverfahren eröffnet.

So sehen wir, technischer Verstand muss Hand in Hand mit dem Geschäftsverstand gehen. Werbung gehört dazu („Klingeln gehört zum Handwerk“ ein wahres Sprichwort) und ein sachverständiges Management. Das haben die Apollo Werke trotz tüchtiger Konstrukteure nicht hinbekommen.

 

Zu DDR-Zeiten beherbergte das Fabrikgelände in der Sulzaer Straße die unterschiedlichsten Firmen. Davon wird den meisten von uns das VEB Metallbau und Labormöbelwerk Apolda in Erinnerung sein. Hier wurden viele Jahre lang Labormöbel und Unterrichtsmaterialien gefertigt und überall hin verkauft.

 

Ab 1992 werkelte die Nori Möbel GmbH, in den Räumen und stellte Möbeln und Möbelteilen aller Art her. 2011 wurde die Firma liquidiert.

Heute bleibt uns nur noch, die „Apollos“ in Museen oder bei unseren alljährlichen Oldie Treffen zu bewundern. 

Aber im Jahr 1994 fand das erste Apoldaer Oldtimer-Schlosstreffen statt. Seit dem lockt dieses Treffen, am ersten Juni Wochenende eines jeden Jahres viele Oldtimerfreunde nach Apolda und ist zu einer nicht mehr wegzudenkenden Festivität geworden.

 

2014 erwarb die Stadt Apolda das Gelände, aber jahrelang tat sich nichts. Gerüchte über einen Abriss wurden laut. Daraufhin wollte der Motorsport-Club Apolda diesem zuvorkommen und hatte den Denkmalschutz eingeschaltet. Leider erfolglos. Der Zahn der Zeit nagte nun schon zu lange an den Gebäuden. 

Letztendlich gab 2015 die Stadt Apolda bekannt, die Gebäude abreißen zu lassen. Im Sommer 2017 begannen die Abrissarbeiten. Angeblich wurden die Gebäudeteile eingelagert.

 

Geblieben ist lediglich ein Apollo-Holzmodell auf dem neu gebauten und auf Hugo-Ruppe-Platz getauften Parkplatz am Bahnhof Apolda.

Foto: Giorno2 (Wikipedia)